Nun hat also Herr Reich-Ranicki „seinen“ Fernsehpreis, der ja ein Ehrenpreis hätte sein sollen, mit Paukenschlag abgelehnt und brachte die Qualität des derzeitigen deutschen Fernseh-Schaffens in die Diskussion. Frau Heidenreich haut energisch und begeistert in die selbe Kerbe, und schon maunzt, was in großen Teilen für unser Programm verantwortlich ist, empört und beleidigt los.
Aber wollen wir es doch mal (möglichst!) objektiv betrachten:
Interessiert mich eine Wurstbutze, in die ein paar „findige“ Programmmacher ein Dutzend Kameras installiert haben und nun deren „Live-Stream“ zur besten Sendezeit träge über den Bildschirm tröpfeln lassen? Niederquerschnittsintellektuelles Imbissbuden-Geklöne in Farbe? NEIN!
Interessiert mich, ob Müsliguru-Mutti beim „Frauentausch“ mit den rohfleischfressenden Lederjacken-Kids von Biker-Börni klarkommt? NEIN!
Die Liste ließe sich mit so ziemlich allem füllen und fortsetzen, was mir das Vor- und Abendprogramm nahezu sämtlicher für mich erreichbarer Sender allabendlich zu kredenzen sich nicht entblödet.
Ein paar Sendungen, schamvoll auf irgendwelchen Dritten Programmen leider nur unzureichend und damit einem scharfen Auge doch auffindbar versteckt, vielleicht mal ausgenommen...
Ist man als Fernseh-Konsument heutzutage unglücklicherweise mit Hirn und einem gewissen Anspruch „kontaminiert“, muss man entweder mit dem Schlafbedarf eines seligen Napoleon gesegnet sein (Waren es drei Stunden pro Nacht?) oder Arbeitssuchend oder Student (oder beides) sein.
Um es nicht zu schwarz zu malen:
Es gibt sie nämlich tatsächlich noch - die echten Gemmen guter Fernsehunterhaltung!
Blöderweise aber meist um halb ein Uhr nachts oder zu ähnlichen dem Biorhythmus ungemein zuträglichen Uhrzeiten gesendet.
Vielleicht... vielleicht wurde aber der Termin auch mit Rücksicht darauf gewählt, dass es halt so lange dauert, bis Otto Anspruchsgucker das von Bockmist überquellende Fernsehprogramm soweit geblättert und gesichtet hat, bis er diese Sendung(en) letztlich gefunden und sich bis zu deren Beginn auch nervlich soweit wieder beruhigt hat, dass er der Unterhaltungsperle jetzt gewinnbringend folgen kann?!
Man weiß es nicht.
Vielleicht wird's ja irgendwann wieder besser:
Nach der anstehenden Diskussion der Fernseh-Verantwortlichen, dem Literatur-Papst und unserem Jungbrunnen-Tommy, zum Beispiel.
Und sollte da nix bei 'rumkommen:
Vielleicht wird der Arbeitsmarkt, wenn er demnächst mal wieder sich aufschwingt, ja auch von blitzgescheiten Ex-Arbeitssuchenden überschwemmt, die sich nächtens dermaßen das Bildungs-Fernsehen 'reingezogen haben und jetzt die Welt (und Wirtschaft) endlich noch besser machen...
Mit der selben Wahrscheinlichkeit verzichtet E.on aber auch freiwillig auf die nächste Gaspreis-Erhöhung.
16.10.2008
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1 Kommentar:
Du Lieber,
dazu ein Kommentar einer, die nicht mal einen Fernseher ihr eigen nennt. Ja, das Programm hat seine Höhen und Tiefen. Aber: auch die Gemmen sind inzwischen für jedermann zu dessen persönlichem Biorhythmus zugänglich. Die Technik machts möglich, d.h. jeder kann alles, was er oder sie sehen will, aufzeichnen und angucken, wann es beliebt. Die einzige Mühe besteht im Player programmieren und das sollte wohl bei entsprechendem Interesse zu schaffen sein, oder? Und für den vorhandenen Mist gibts halt auch das entsprechende Interesse, sonst würde es nicht gesendet, oder?
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